Kognitives Speed-Training senkt Demenzrisiko messbar
Neue Studie: Kognitives Computertraining senkt Demenzrisiko deutlich. Erfahren Sie, wie langfristiges Training wirkt & worauf es wirklich ankommt. Jetzt mehr!
- Kognitives Speed-Training senkt Demenzrisiko messbar
- Langzeitstudie liefert neue Fakten zur Demenzprävention
- Kritische Stimmen und methodische Einordnung der Studie
- Wiederholtes Training als Schlüssel zum Erfolg
- Handlungsempfehlungen für verschiedene Altersgruppen
Kognitives Speed-Training senkt Demenzrisiko messbar
Studie zeigt erstmals langfristigen Effekt
TL;DR: Erstmals belegt eine 20-jährige Studie, dass gezieltes kognitives “Speed-Training” am Computer, regelmäßig wiederholt, das Risiko für Demenz signifikant senken kann. Entscheidend sind spezifische Aufgaben und Auffrischungen über mehrere Jahre.
Demenz gilt als eine der größten Herausforderungen unserer alternden Bevölkerung. Bislang blieben Präventionsmöglichkeiten begrenzt. Neue Hoffnung weckt nun eine Langzeitstudie, die den Effekt gezielter Übungen belegt. Besonders ein computergestütztes Geschwindigkeitstraining, das die Aufmerksamkeit und die Informationsverarbeitung schult, konnte das Demenzrisiko signifikant senken. Damit werden jahrzehntelange Zweifel an der Wirksamkeit von Gehirntraining erstmals wissenschaftlich entkräftet.

Langzeitstudie liefert neue Fakten zur Demenzprävention
Setup und zentrale Ergebnisse der Studie
Die Studie, publiziert im Fachjournal “Alzheimer’s & Dementia: Translational Research and Clinical Interventions”, untersuchte 2.832 Erwachsene ab 65 Jahren. Die Teilnehmer wurden randomisiert vier Gruppen zugeteilt. Eine Gruppe absolvierte ein spezielles Computer-Speed-Training namens “Double Decision”. Diese Übung legt den Fokus auf die rasche Erfassung und Beurteilung von Verkehrsszenen, gefolgt von einer Erinnerung an Details. Das Programm passte die Schwierigkeit an die Fähigkeiten der Nutzer fortlaufend an. Die weiteren Gruppen trainierten wahlweise Gedächtnis oder Denkstrategien; die vierte Gruppe diente als Kontrollgruppe ohne Training. Trainiert wurde zunächst fünf Wochen lang, zweimal pro Woche. Etwa die Hälfte erhielt zusätzliche Auffrischungssitzungen nach einem und nach drei Jahren (“Booster Sessions”).
Auffallende Langzeitwirkung messbar
Entscheidend: Das signifikant niedrigere Demenzrisiko zeigte sich nur bei Probanden des Geschwindigkeitstrainings mit regelmäßigen Wiederholungen. In dieser Gruppe lag das Erkrankungsrisiko 25 Prozent unter dem der Kontrollgruppe, gemessen anhand von US-Medicare-Daten nach 20 Jahren. Gedächtnis- und Denkstrategietrainings hingegen hatten keine nachweisbare Wirkung auf das Demenzrisiko in dieser Dimension.
“Die Größe des Effekts ist wirklich erstaunlich”
„Die Größe des Effekts ist wirklich erstaunlich.“ — Marilyn Albert, Johns Hopkins University School of Medicine
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung. Bei Anzeichen von Vergesslichkeit oder Demenzrisiko sollte grundsätzlich ein ärztlicher Fachrat eingeholt werden.
Implizites Lernen als möglicher Mechanismus
Die Forscher vermuten, dass das Speed-Training auf implizites Lernen setzt. Hierbei laufen Anpassungen im Gehirn weitgehend unbewusst ab – ein Prozess, der besonders langlebige Veränderungen begünstigen könnte. Zusätzlich fordern die Übungen, Konzentration dauerhaft auf hohem Niveau zu halten. Beides stärkt mutmaßlich die sogenannte kognitive Reserve: ein neuronales Polster, das Verluste durch Alterung länger kompensieren kann. Diese These findet Unterstützung im Konzept der "kognitiven Resilienz", das in zahlreichen neuropsychologischen Studien als protektiv gilt (vgl. Wikipedia).
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Kritische Stimmen und methodische Einordnung der Studie
Stimmen aus der Wissenschaft
Neurowissenschaftler wie Torkel Klingberg (Karolinska-Institut) betonen die methodische Qualität der Langzeitbeobachtung. Eine Nachbeobachtungszeit von 20 Jahren ist in Humanstudien selten und gilt als außerordentlich stabilisierend für Ergebnisse. Dennoch bellen Kritiker: Walter Boot vom Weill Cornell Medicine College mahnt zur Vorsicht. Je mehr statistische Tests in langen Beobachtungszeiträumen erfolgen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit von Zufallsbefunden. Keineswegs sei der Effekt jedoch widerlegt – vielmehr müsse der statistische Zusammenhang mit Sachverstand interpretiert werden. Die Daten sprechen dennoch eine klare Sprache. Die signifikante Risikoreduktion war nur in einer klar definierten Gruppe nachweisbar, was für die Wirksamkeit des Ansatzes spricht.
Grenzen und blinde Flecken
Die Autoren warnen selbst vor Überinterpretation. Entscheidend sei, das Gehirn regelmäßig und abwechslungsreich herauszufordern. Nicht das starre Wiederholen identischer Aufgaben, sondern der Wechsel, die Belastung und der Spaß an Neuem entfalten nachhaltigen Einfluss. „Die Botschaft ist nicht, dass jeder in seinen Keller gehen und Computerspiele spielen sollte“, ergänzt Andrew Budson (Boston University). Vielmehr gehe es darum, den Geist in allen Lebenslagen wach zu halten – etwa durch das Erlernen neuer Sportarten, handwerklicher Tätigkeiten oder sozialer Interaktion.
Wiederholtes Training als Schlüssel
Die Studienauswertung legt nahe: Booster-Trainings nach einem und drei Jahren sind essenziell. Ohne diese Auffrischungen sank das Demenzrisiko nicht signifikant. In Bezug auf Profisportarten ist dieser Effekt bemerkenswert: Nur stete, zielgerichtete Übung bewirkt nachhaltigen Lernerfolg. Für die Praxis heißt das: Wer den Geist fordert, sollte dies regelmäßig, mit Variabilität und Freude tun. Geeignete Übungsformen lassen sich als Apps, in speziellen Kursen oder in Kombination mit Alltagsaktivitäten finden.
Entscheidungsmatrix Demenzprävention
Um die demenzpräventive Wirksamkeit von Gehirntrainings optimal zu nutzen, empfiehlt sich folgendes Vorgehen:
- Zielgruppengerechtes, adaptives kognitives Training finden
- Übungen mindestens fünf Wochen lang konsequent durchführen
- Abschließende Booster-Einheiten nach spätestens einem und drei Jahren einplanen
- Permanente geistige Stimulation im Alltag fortführen
Handlungsempfehlungen für verschiedene Altersgruppen
Lernen und Prävention über die Lebensspanne
Die Erkenntnisse der Studie lassen sich auf unterschiedliche Lebensphasen übertragen. Während jüngere Erwachsene von der Festigung kognitiver Grundfertigkeiten profitieren, können Ältere durch gezielte Trainingsprogramme Leistungsfähigkeit länger erhalten. Es empfiehlt sich, schon früh und dann lebenslang auf ein aktives Gehirn zu achten.
Vorteile & Nachteile auf einen Blick
Vorteile
- Signifikante Senkung des Demenzrisikos durch Speed-Training
- Flexibilität: Übungen am Computer, allein oder in Gruppen
Nachteile
- Erfolg erfordert dauerhaftes Engagement und Motivation
- Wirkung nicht für alle Trainingsformen nachweisbar
Checkliste für die Praxis
- Programm: Adaptives Computer-Speed-Training verwenden
- Regelmäßige Booster-Übungen nach einem und drei Jahren absolvieren
- Kognitive Stimulation in alltägliche Routinen einbauen
- Bei Unsicherheit ärztlichen Rat einholen

Weiterführende Informationen und Links
Weiterführende Hintergrundinformationen finden Sie bei Stiftung Warentest (www.test.de). Die Originalstudie wurde in “Alzheimer’s & Dementia” veröffentlicht. Interessierte finden praktische Übungen und Empfehlungen zur Demenzprävention ebenfalls auf Fachportalen und bei Alzheimer-Gesellschaften. Mehr Inspirationen zu kognitiven Alltagsübungen entdecken Sie auf Pinterest.
Zielgruppen im Blick
Perspektive für 20–40 Jahre
Jüngere Erwachsene profitieren besonders von der Festigung und Erweiterung kognitiver Grundfertigkeiten. Regelmäßige Gehirntrainings fördern die Konzentration und Anpassungsfähigkeit im Beruf und Alltag. Gezielte Speed-Trainings können Prüfungsstress reduzieren oder die Reaktionszeit verbessern – ein Plus speziell für dynamische Lebensphasen.
Perspektive für 40–60 Jahre
In der Lebensmitte steht die Erhaltung geistiger Fitness im Fokus. Kognitive Übungen dienen hier als Schutzfaktor gegen erste altersbedingte Vergesslichkeit oder Leistungsschwankungen. Booster-Sessions und Variabilität im Training fördern nachhaltige Leistungsfähigkeit, was sich auch positiv auf die berufliche Entwicklung auswirken kann.
Perspektive ab 60
Für Seniorinnen und Senioren zählt vor allem der Erhalt der Alltagskompetenz. Durch gezieltes, langjähriges Gehirntraining lässt sich das Demenzrisiko nachweislich senken. Empfehlenswert ist die Kombination von Trainingseinheiten mit sozialer Aktivität – beispielsweise in Gruppen oder mit Familienmitgliedern. Auch hier gilt: Kontinuität zahlt sich aus!
„Das Hirn ist trainierbar – und der Schlüssel liegt in der regelmäßigen Wiederholung fordernder Aufgaben.“
Stiftung Warentest (zusammenfassend nach aktuellen Studien)
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